Aktuelle Ausstellungen

11. Mai bis 30. Juni 2016
Filmpräsentation – The Rescue:
José Castellanos, Retter von tausenden Juden

The Rescue, Kanada 2016, Englisch mit deutschen Untertiteln
Laufzeit: 23 Minuten

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THE RESCUE ist ein Kurzfilm über die Geschichte eines Diplomaten namens José Arturo Castellanos aus dem zentralamerikanischen Staat El Salvador. Er nutzte seinen Diplomatenstatus, um während der Shoah tausende Juden zu retten. Dennoch ist José Castellanos heute annähernd unbekannt.

THE RESCUE ist kein gewöhnlicher Dokumentarfilm, sondern eine sehr persönliche Geschichte, mit der die beiden Enkel von José Castellanos den Namen ihres Großvaters vor dem Vergessen bewahren wollen. Die Filmemacher Alvaro und Boris Castellanos zeigen in ihrem Film die Herausforderungen, denen sich ihr Großvater mit seiner großen Rettungsmission stellte. Sie führen Gespräche mit jenen, die durch José Castellanos vor der Shoah gerettet wurden, und auch mit deren Nachkommen, die heute über die ganze Welt verstreut leben.

Der Film zeigt das mutige Handeln eines Einzelnen, der nicht über das Schicksal anderer hinwegsah, sondern Zivilcourage und persönlichen Einsatz bewies, obwohl er Sanktionen zu befürchten hatte.

José Arturo Castellanos Contreras (1891-1977) war ab 1938 Konsul von El Salvador in Hamburg. Bereits zu diesem Zeitpunkt bat er seine Vorgesetzten, darunter den Außenminister El Salvadors, um Erlaubnis, Visa für Juden ausstellen zu dürfen. Diese sollten ihnen ermöglichen, Deutschland zu verlassen. Die Erlaubnis wurde ihm jedoch verweigert.

Von 1941 bis Oktober 1945 Generalkonsul von El Salvador in Genf, beschloss Castellanos, sich nicht an die Anweisungen seiner Vorgesetzten zu halten. In der Folgezeit bestätigte er die angebliche salvadorianische Staatsbürgerschaft für tausende europäische Juden. Die Staatsangehörigkeitspapiere eines neutralen Landes boten Schutz und waren daher lebensrettend. Diese Rettungsoperationen führte Castellanos zusammen mit seinem Freund Gyorgy Mandl durch; ein ungarischer Jude, den Castellanos unter dem Namen George Mandl-Mantello zum Konsulatssekretär El Salvadors in Genf ernannte und damit vor der Verfolgung schützte. Mantello bestätigte mit dem Einverständnis Castellanos die salvadorianische Staatsbürgerschaft für Juden in ganz Europa. Erst im Mai 1944 erhielt Castellanos die Unterstützung seiner Vorgesetzten für die Rettungsaktionen.

José Castellanos wurde im Jahr 2010 von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern anerkannt.

Die Rettung | The Rescue, Kanada 2016, Englisch mit deutschen Untertiteln
Der Film wird vom 11. Mai bis zum 30. Juni 2016 innerhalb  der regulären Öffnungszeiten des Museums durchgehend im Centrum Judaicum gezeigt.

 
Bilder der Abendveranstaltung vom 10.05.2016 zu Ehren von José Arturo Castellanos im Auswärtigen Amt
 

Filmvorführung und Gesprächsrunde:
Rettungsaktionen für Juden während der Shoah, Zivilcourage und Einsatz (kostenfrei für Schulklassen)

weitere Informationen

2. Oktober 2015 bis 29. Mai 2016
abgedreht! Bühnenwelten-Lebenswelten
Chaim Heinz Fenchel 1906-1988

Heinz Fenchel in Tel Aviv, Foto privat

Heinz Fenchel in Tel Aviv, Foto privat

Im Februar 1937 ging in Haifa der Berliner Heinz Fenchel von Bord eines Einwandererschiffes. Im Kofferraum seines Fiats unzählige Zeichnungen aus der Frühzeit des deutschen Ton-Films: eigenhändige Entwürfe und Fotografien für Kulissen und Bühnen von Liebes- und Actionfilmen, von Kriminalfilmen, wie den ersten deutschen Edgar Wallace Verfilmungen, sowie witziger Großstadt-Komödien, häufig im Revuetheater-Milieu spielend.

Für alle diese Produktionen schuf Heinz Fenchel die Räume; Bühnen, auf denen die Schauspieler agierten und die ihn zu einem vielbeschäftigten und erfolgreichen Filmset-Designer der Weimarer Republik machten.

 

 

 

1933 war Heinz Fenchels Karriere als Filmarchitekt beendet, als Jude erhielt er in Deutschland Berufsverbot, einige Zeit konnte er noch – allerdings mit verdeckter Identität – in Dänemark arbeiten. Sein letzter Film in Europa war die niederländische Produktion Komedie om Geld (1936) unter der Regie von Max Ophüls. Anders als viele seiner Kollegen ging Fenchel nicht nach Hollywood sondern entschied sich für Palästina, wohlwissend, dass er in einem Land ohne nennenswerte Filmindustrie als Set-Designer nicht werde arbeiten können.

Im jüdischen Palästina begann er sich als innovativer Architekt und Designer für Interieurs zu profilieren. Seine Entwürfe und Ausstattungen urbaner Kaffeehäuser und Bars, seine eleganten Geschäfte und privaten Residenzen machten ihn ebenso bekannt wie luxuriöse Hotelbauten, die er nicht nur in Israel sondern auch in Afrika realisieren konnte. Damit schuf er Lebenswelten, die von den Bühnenwelten seiner Filmsets nicht zu trennen sind.

Zum ersten Mal, nach fast 80 Jahren, kehren für die Ausstellung
abgedreht! Bühnenwelten-Lebenswelten Chaim Heinz Fenchel (1906-1988) Originalentwürfe und Standfotografien von Tel Aviv nach Berlin zurück: es sind Zeugnisse eines Künstlers, dessen Karriere im Berlin der Weimarer Republik begann und dessen Schaffen in Israel seine Vollendung fand.

Trailer zur Ausstellung: