Kommende Ausstellungen

8. Juli bis 4. September 2016
SEIN.ANTLITZ.KÖRPER
THE REPETITION OF THE GOOD. THE REPETITION OF THE BAD.

Kuratiert von Alexander Ochs

Alle monotheistischen Religionen kennen in ihren Riten Bittgebete um ein gedeihliches Leben auf Erden. Gott wird von den Beterinnen und Betern angerufen in physischer Not, aber auch in schierer Angst, die die Psyche angreift. Wie viele Menschen, die unendliches Leid durch Flucht und Vertreibung erfahren haben, können davon Klagelieder singen? In der hebräischen Bibel, im Neuen Testament und im Koran geht es stets darum, die für die jeweilige Tradition bedeutsame Vergangenheit so zu erinnern, dass sie dem kulturellen Gedächtnis der Menschen nicht verloren geht.

Der Ausgangspunkt für die Präsentation ist ein großer bespannter Rahmen im Ausstellungssaal des Centrum Judaicum. So wird auf das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte hingewiesen und auf den Verlust, den die Berliner jüdische Gemeinschaft durch die nationalsozialistische Gewaltherrschaft erlitten hat. In kleinster dunkler Schrift sind die Namen der fast 55 000 ermordeten Berliner Jüdinnen und Juden zu lesen. In hellerer Schrift erscheinen diejenigen, die die Verfolgung überlebt haben, weil sie mit einem nichtjüdischen Partner verheiratet waren sowie deren Kinder sowie diejenigen, die im Untergrund überlebten.

Zu allen Zeiten wurde und es wird bis heute im Namen von Religionen und Weltanschauungen gemordet, obwohl das Gebot der Nichttötung eines anderen Menschen universell gilt. Sind Gebete nicht Schall und Rauch, wenn nicht einmal allgemein menschliche Regeln eingehalten werden? Was nützen heilige Bücher, Riten und Rituale, wenn es keinen inneren und äußeren Frieden gibt? Wann hat der Kampf zwischen Gut und Böse ein Ende? Sind nicht vielmehr alle Menschen eingeladen, sich auf einen gemeinsamen Weg zur Bewahrung der Schöpfung aufzumachen?

Die Recherchen des Kurators konfrontieren uns mit Kunstwerken, deren Schöpfer die Spannungen der heutigen Welt gut kennen. Es ertönen keine politischen Plattitüden. Die künstlerische Reflexion bildet den Hintergrund, vor dem Rituale und religiöse Traditionen befragt werden. Es entsteht eine zeitgenössische Collage mit offenem Anfang und offenem Ende.

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Ab 30. September 2016
„Berlin lebt auf!“
Die Fotojournalistin Eva Kemlein (1909-2004)

 ©Stiftung Stadtmuseum Berlin

Eva Kemlein, Berlin, Sommer 1945 © Stiftung Stadtmuseum Berlin

©Stiftung Stadtmuseum Berlin

Schwarzmarkt, Berlin, Sommer 1945 © Stiftung Stadtmuseum Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie war die Chronistin des Berliner Nachkriegs- und Theaterlebens. Als Bildjournalistin der Berliner Zeitung, dessen erste Ausgabe 1945 die Überschrift „Berlin lebt auf!“ trug, prägten Eva Kemleins Bilder von Überlebenden – sie selbst hatte die Nazizeit als Jüdin versteckt in Berlin überstanden  – das Gedächtnis der Nachkriegszeit. 1950 dokumentierte sie das Berliner Stadtschloss vor seiner Sprengung.

Fast 50 Jahre lang, seit Sommer 1945 bis kurz vor ihrem Tod im August 2004, fotografierte Eva Kemlein das Theaterleben in Berlin, vor allem die Inszenierungen am Deutschen Theater. Unerreicht sind ihre Porträtaufnahmen von Ernst Busch, von Heiner Müller sowie von Helene Weigel als „Mutter Courage“ in Bertolt Brechts Berliner Ensemble.

Eva Kemlein war eine Reisende zwischen den Welten, sie lebte in Westberlin und fotografierte vornehmlich an den Ost-Berliner Bühnen. So ist die Ausstellung im Centrum Judaicum in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum, wo sich ihr gesamter künstlerischer Nachlass befindet, auch die Schau eines außergewöhnlichen Lebens zwischen Ost und West.