Kommende Ausstellungen

11. Mai bis 30. Juni 2016
Filmpräsentation – The Rescue:
José Castellanos, Retter von tausenden Juden

The Rescue, Kanada 2016, Englisch mit deutschen Untertiteln

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THE RESCUE ist ein Kurzfilm über die Geschichte eines Diplomaten namens José Arturo Castellanos aus dem zentralamerikanischen Staat El Salvador. Er nutzte seinen Diplomatenstatus, um während der Shoah tausende Juden zu retten. Dennoch ist José Castellanos heute annähernd unbekannt.

THE RESCUE ist kein gewöhnlicher Dokumentarfilm, sondern eine sehr persönliche Geschichte, mit der die beiden Enkel von José Castellanos den Namen ihres Großvaters vor dem Vergessen bewahren wollen. Die Filmemacher Alvaro und Boris Castellanos zeigen in ihrem Film die Herausforderungen, denen sich ihr Großvater mit seiner großen Rettungsmission stellte. Sie führen Gespräche mit jenen, die durch José Castellanos vor der Shoah gerettet wurden, und auch mit deren Nachkommen, die heute über die ganze Welt verstreut leben.

Der Film zeigt das mutige Handeln eines Einzelnen, der nicht über das Schicksal anderer hinwegsah, sondern Zivilcourage und persönlichen Einsatz bewies, obwohl er Sanktionen zu befürchten hatte.

José Arturo Castellanos Contreras (1891-1977) war ab 1938 Konsul von El Salvador in Hamburg. Bereits zu diesem Zeitpunkt bat er seine Vorgesetzten, darunter den Außenminister El Salvadors, um Erlaubnis, Visa für Juden ausstellen zu dürfen. Diese sollten ihnen ermöglichen, Deutschland zu verlassen. Die Erlaubnis wurde ihm jedoch verweigert.

Von 1941 bis Oktober 1945 Generalkonsul von El Salvador in Genf, beschloss Castellanos, sich nicht an die Anweisungen seiner Vorgesetzten zu halten. In der Folgezeit bestätigte er die angebliche salvadorianische Staatsbürgerschaft für tausende europäische Juden. Die Staatsangehörigkeitspapiere eines neutralen Landes boten Schutz und waren daher lebensrettend. Diese Rettungsoperationen führte Castellanos zusammen mit seinem Freund Gyorgy Mandl durch; ein ungarischer Jude, den Castellanos unter dem Namen George Mandl-Mantello zum Konsulatssekretär El Salvadors in Genf ernannte und damit vor der Verfolgung schützte. Mantello bestätigte mit dem Einverständnis Castellanos die salvadorianische Staatsbürgerschaft für Juden in ganz Europa. Erst im Mai 1944 erhielt Castellanos die Unterstützung seiner Vorgesetzten für die Rettungsaktionen.

José Castellanos wurde im Jahr 2010 von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern anerkannt.

Die Rettung | The Rescue, Kanada 2016, Englisch mit deutschen Untertiteln
Der Film wird vom 11. Mai bis zum 30. Juni 2016 innerhalb  der regulären Öffnungszeiten des Museums durchgehend im Centrum Judaicum gezeigt.

 

Filmvorführung und Gesprächsrunde:
Rettungsaktionen für Juden während der Shoah, Zivilcourage und Einsatz (kostenfrei für Schulklassen)

weitere Informationen

8. Juli bis 4. September 2016 – „Sein.Antlitz.Körper“

http://sein-antlitz-koerper.de/

http://sein-antlitz-koerper.de/neue-synagoge-berlin-centrum-judaicum/

http://www.facebook.com/sein.antlitz.koerper

 

 


Ab 30. September 2016
„Berlin lebt auf!“
Die Fotojournalistin Eva Kemlein (1909-2004)

 ©Stiftung Stadtmuseum Berlin

Eva Kemlein, Berlin, Sommer 1945 © Stiftung Stadtmuseum Berlin

©Stiftung Stadtmuseum Berlin

Schwarzmarkt, Berlin, Sommer 1945 © Stiftung Stadtmuseum Berlin

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Ausstellung „Berlin lebt auf!“ Die Fotojournalistin Eva Kemlein (1909-2004) widmet sich dem Lebenswerk der im Alter von 95 Jahren in Berlin verstorbenen Fotografin, die wie keine andere zur Chronistin des Berliner Nachkriegs- und Theaterlebens wurde. Als Bildjournalistin der Berliner Zeitung, dessen erste Ausgabe 1945 die Überschrift „Berlin lebt auf!“ trug, prägten ihre Bilder von Überlebenden – sie selbst hatte die Nazizeit versteckt in Berlin überstanden – von Frauen, Kindern, Alten, von Kriegsversehrten und Kriegsgefangenen in der zerstörten Reichshauptstadt das Gedächtnis der deutschen Nachkriegszeit. Ende der 1950er Jahre dokumentierte sie das Berliner Stadtschloss vor seiner Sprengung.

Legendär wurden ihre Aufnahmen von den Inszenierungen Bertolt Brechts im Berliner Ensemble; bis in die 1990er Jahre fotografierte Eva Kemlein Inszenierungen am Deutschen Theater, wobei immer das Zusammenspiel der einzelnen Darsteller im Fokus stand.

Unerreicht sind auch ihre Porträtaufnahmen von Ernst Busch, Heiner Müller sowie von Helene Weigel als „Mutter Courage“ oder als „Die jüdische Frau“ in „Furcht und Elend des Dritten Reiches“ (1957). In den 1970er Jahren dokumentierte Eva Kemlein die bahnbrechenden Inszenierungen von Peter Stein für die West-Berliner Schaubühne am Halleschen Ufer.

Neben der Werkschau einer Jahrhundertfotografin – tausende von Negativen und hunderte von Handabzügen befinden sich in der Stiftung Stadtmuseum Berlin – wagt die Ausstellung auch einen Blick „hinter die Kulissen“. Eva Kemleins Wirken zwischen den Welten – als Fotografin in Westberlin lebend und vornehmlich in Ostberlin arbeitend – wird vor dem Hintergrund der Spannungen im Kalten Krieg untersucht und dokumentiert. Als Verfolgte des Naziregimes – ihre Mutter wurde 1942 in Auschwitz ermordet und sie selbst hatte bis zur Befreiung mit ihrem Lebensgefährten Werner Eppenstein in verschiedenen Verstecken in Berlin überlebt – wird Eva Kemleins Kampf um Entschädigung für das ihr widerfahrene Unrecht während der Zeit des Nationalsozialismus dargestellt, die ihr in den 1950er Jahren im Westteil der Stadt als angebliche Unterstützerin des Ostberliner Regimes verwehrt wurde.

So wird die Ausstellung in der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum in Kooperation mit der Stiftung Stadtmuseum nicht nur die Gelegenheit geben, das Werk einer bedeutenden Künstlerin kennen zu lernen, sondern die Schau wird auch ein außergewöhnliches Leben zwischen Ost und West dokumentieren.