Provenienzforschung

Wissenschaftliche Bearbeitung Stephan M. Kummer

P1070179Seit Ende 2011 verfolgt das Centrum Judaicum ein Provenienzforschungsprojekt und war damit eine der ersten Einrichtungen in Berlin, die  ihren Bibliotheksbestand auf NS-Raubgut untersuchten. Merkmale wie z. B. Exlibris, Stempel, Autogramme und Widmungen weisen auf die früheren Eigentümer der Bücher hin. Darunter sind Privatpersonen und Einrichtungen, die zwischen 1933 und 1945 aus politischen und/oder „rassischen“ Gründen 
von den Nationalsozialisten verfolgt und gezwungen wurden, diese Bücher vor der Emigration oder Deportation zurückzulassen.

 

In die Bibliothek der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum gelangten diese Bücher (im Wesentlichen Judaica in deutscher, hebräischer und jiddischer Sprache) Anfang der 1990er Jahre durch Übergaben der Zentral- und Landesbibliothek Berlin und der Staatsbibliothek Berlin. Ein kleinerer Teil solcher Bücher wurde von Einzelpersonen, die sie z. B. während Sanierungsarbeiten auf Dachböden oder beim Auflösen der Haushalte der Großeltern fanden, in der Stiftung abgegeben.

 


Mehr als 8.500 Bände mit einem Publikationsjahr vor 1945 befinden sich in der Stiftungsbibliothek. Der Bestand wächst durch weitere Schenkungen im Zuge der öffentlichen Provenienzarbeit stetig an. Seit Beginn des Projekts im Jahr 2011 konnten 2.500 Exemplare dokumentiert und in die kooperative Datenbank (Looted Cultural Assets) eingearbeitet werden, 400 davon im Jahr 2016. Parallel dazu restituiert das Centrum Judaicum regelmäßig Bücher an Erben oder Erbgemeinschaften weltweit; allein im Jahr 2016 waren das 53 Stück.

Das Projekt wird gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa

 

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Sechs Institutionen unter einem Dach

Unter NS-RaubguP1110907t – genauer NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut und Beutegut – versteht man Objekte, die ihren rechtmäßigen Eigentümern auf Grund deren Verfolgung in der Zeit von 1933 bis 1945 durch das NS-Regime entzogen wurden. (FAQ)

Auf vielen unterschiedlichen Wegen gelangten diese Bücher in Bibliotheken. In verschiedenen Institutionen wird der Bibliotheksbestand auf NS-Raubgut und Beutegut geprüft, ermittelt und dokumentiert. Ziele der Arbeit sind eine faire und gerechte Lösung mit den rechtmäßigen Eigentümern oder deren Erben zu finden, sowie eine Rückgabe (Restitution) der Bücher. Die Ergebnisse werden in der gemeinsamen Datenbank Looted Cultural Assets eingepflegt und recherchierbar gemacht.

Zur Galerie Provenienzforschung

Derzeit umfasst Looted Cultural Assets mehr als 31.000 Provenienzhinweise und Informationen zu ca. 8.000 Personen sowie Institutionen. Durch eine enge Zusammenarbeit bei der Abklärung der einzelnen Funde verfolgen die beteiligten Einrichtungen einen für Bibliotheken neuen Weg um ihrem Auftrag gerecht zu werden. Die Badische Landesbibliothek, die Bibliothek der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, das Institut für die Geschichte der deutschen Juden Hamburg, die Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, die Universitätsbibliothek der Universität Potsdam und die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (Kooperationspartner) wollen nachhaltig die Vernetzung der Institutionen sichern und ausbauen. Mit diesem Grundgedanken der Looted Cultural Assets sind Hinweise in der Unterstützung unserer Arbeit, Anregungen und Interesse an einer Kooperation herzlich willkommen.

Homepage: www.lootedculturalassets.de
Stiftung Neue Synagoge Berlin-
Centrum Judaicum
Stephan M. Kummer
Oranienburger Straße 28/30
10117 Berlin

Email: s.kummer@centrumjudaicum.de
Tel. +49(30) 88028 415
Fax: +49(30) 88028 483