Veranstaltungen, Veranstaltungsarchiv

13. Februar 2014
„Die Reise nach Berlin“
Buchvorstellung

Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum
Oranienburger Straße 28–30, 10117 Berlin


Die_Reise_nach_Berlin1921 erstmals als Artikelfolge in der Berliner Morgenpost und 1925 als Buch erschienen, war Die Reise nach Berlin für den Autor selbst „ein romantischer Baedeker und Führer aus dem neuen Berlin ins alte“. Der Berliner Schriftsteller Georg Hermann urteilte, es sei „ein Buch, so reizend geschrieben, dabei ganz leicht und instruktiv, voller Wissen um die Dinge steckend“.
Heilborn spaziert plaudernd und reminiszierend durch das Berlin seiner Jugend und holt aus seinem Gedächtnis interessante Begebenheiten und bisweilen köstliche Anekdoten hervor. Immer wieder macht er klar, in welcher Tradition er sich sieht, wenn er Adolf Glaßbrenner, Wilhelm Raabe und Theodor Fontane zitiert. Heilborn verklärt jedoch nicht die bürgerliche Lebenswelt des ausgehenden 19. Jahrhunderts, sondern weiß den Charme und die Ästhetik des Berlins der 1920er-Jahre zu schätzen. Er erfreut sich am dichten Verkehr, an der Leuchtreklame, am weltstädtischen Flair. So beschreibt er den Potsdamer Platz als Inbegriff der modernen Großstadt.

Ein für Berlin-Fans auch heute überaus lesenswertes Buch, mit dem man sich auf Spurensuche ins „alte Berlin“ und in einige bis 1920 selbstständige Städte und Gemeinden begeben kann: Charlottenburg, Schöneberg, Steglitz, Treptow, Pankow und Tegel. Dabei überrascht, dass es gar nicht so wenige Relikte gibt, die schon zu Heilborns Zeiten Überbleibsel der alten städtischen Bebauung waren, die jedoch auch den Zweiten Weltkrieg und die Abriss- und Überbauungspolitik in West- undOst-Berlin überlebt haben und daher noch heute erhalten sind.

Heilborn, Adolf

1873 in Berlin geboren, war nach Medizin- und Naturwissenschaftsstudium zunächst Schiffsarzt und Weltreisender, später dann Arzt, Redakteur (Die Gegenwart) und Übersetzer (Daudet, Maupassant) in Berlin.Seine populärwissenschaftlichen ethnologischen, biologischen und kulturhistorischen Werke, darunter Allgemeine Völkerkunde, Aus der Kinderstube der Tiere und Entwicklungsgeschichte des Menschen, erreichten hohe Auflagen. Heilborn war befreundet mit Heinrich Zille und Käthe Kollwitz. Wegen seiner jüdischen Herkunft konnte er im nationalsozialistischen Deutschland nicht mehr publizieren.

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