Aktuelle Veranstaltungen, Veranstaltungen

Veranstaltungshinweis
8. November 2019 – 13. Januar 2020
Jussuf Abbo Ausstellung

01Abbo gehört zu jenen Künstlern, die diese grundlos-unruhige Zeit nötig hat. […] Kraft, halt zu machen im Leben, haben die Seltensten nur noch.“ – mit diesen lobenden Worten beschreibt ein Rezensent das Werk des heute weitestgehend in Vergessenheit geratenen Bildhauers Jussuf Abbo. Dabei hatte es seinerzeit so vielversprechend angefangen. Joseph M. Abbo – später wird er sich in Jussuf Abbo umbenennen – wird Ende des 19. Jahrhunderts in Safed geboren. Nach einer Steinmetzlehre in Jerusalem nimmt er um 1913 sein Studium in Berlin auf. Noch vor Ende seiner Ausbildung stellt er erstmalig öffentlich aus – 1917 mit der Berliner Secession. Fortan geht es Schlag auf Schlag – renommierte Galeristen wie Paul Cassirer, Herbert von Garvens-Garvensburg und Ferdinand Möller stellen ihn aus. Eng befreundet mit Else Lasker-Schüler widmet diese ihm glühend formulierte Zeilen. „Abbo ist schwarz und temperamentvoll und trägt ein weißes (Herz) in der Brust und blieb unverdorben in diesem Lande in dieser Stadt der Hast und Zertretens.“ Der Künstler gibt sich exotisch und wird zum Liebling der Berliner Boheme. Früh entdecken ihn auch öffentliche Sammlungen – schon 1921 kauft die Nationalgalerie für 300 Reichsmark drei Zeichnungen an. Mitte der 1920er Jahre erwerben die Kunstsammlungen Chemnitz die Porträtbüste Max Friedländers.

Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten nimmt seine Karriere ein abruptes Ende – mit dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches ist Abbo staatenlos, zudem Jude und unehelich werdender Vater. Auch sein Werk fällt den neuen Machthabern zum Opfer – zahlreiche Werke werden aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt, die Chemnitzer Büste als „Metallspende“ eingeschmolzen.

Mit seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Ruth gelingt über abenteuerliche Umwege die Flucht ins britische Exil. Ein Fortsetzen der künstlerischen Laufbahn ist dort kaum möglich. Zwar gelingt es ihm mit einigen Porträtaufträgen, weiterhin künstlerisch tätig zu sein. Ein ausreichendes Einkommen stellt dies aber nicht dar. 1953 stirbt Jussuf Abbo verarmt in London. Trotz einflussreicher Förderer wie 

Leopold Reidemeister will eine Wiederentdeckung nach 1945 in Deutschland nicht gelingen. Erst die jüngere Forschung widmet dem Werk erneut Aufmerksamkeit.

Erstmals widmet sich das Kunsthaus Dahlem nun diesem einst gefeierten jungen Talent der Berliner Bildhauerszene mit einer Einzelausstellung. Etwa 30 Werke – Skulpturen und Grafiken – zeigen die Werkentwicklung des Künstlers. Verschollene und seit 1937 durch die Nationalsozialisten mutwillig zerstörte Werke sind darüber hinaus durch Fotografien dokumentiert. Eine umfangreiche Monografie gibt zudem weiteren Einblick in das bewegte Leben des zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Bildhauers.

Eine Ausstellung vom Kunsthaus Dahlem in Kooperation mit der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum und dem Aktiven Museum e.V.

Ort:

Kunsthaus Dahlem
Käuzchensteig 8 
14195 Berlin 

Comments are closed.