Veranstaltungen, Veranstaltungsarchiv

Veranstaltungshinweis
22.09.2019,11.00 Uhr
Nacht und Nebel.
Der Film, mit dem alles anfing [1955-56]

 

 Ort: Urania Berlin – Kleist-Saal, An der Urania 17, 10787 Berlin

Alain Resnais’ 1955 in Auschwitz gedrehter und mit Archivmaterial ergänzter Film ließ keinen Zweifel daran, dass, trotz des Schweigens der Deutschen, die Todeslager, die Täter und deren Opfer nicht vergessen waren. Um einen internationalen Aufschrei und den bundesdeutschen Schock zu vermeiden, ließ die Bundesregierung den Film 1956 aus dem Programm der Filmfestspiele in Cannes entfernen – der Film behindere die Aussöhnung zwischen Deutschen und Franzosen. Weltweite Proteste führten aber dazu, dass „Nacht und Nebel“ in der BRD gezeigt wurde – allerdings nicht in den kommerziellen Kinos, sondern nur in geschlossenen Veranstaltungen. Das jugendliche Publikum dieser von Geheimnis und Verbot umwitterten Vorführungen wurde später zu einer der Keimzellen der 1968er.

Eintritt frei !

Beginn der neuen Reihe:

Der Skandal als vorlauter Bote. Die großen deutschen Geschichtsdebatten 1956 bis 2014

Der Griff Nazideutschlands zur Weltmacht endete mit der totalen Niederlage und der Bilanz von fast 40 Millionen Opfern – darunter sechs Millionen in der Shoah ermordete Juden.

Schon 1946 lagen zwei Abhandlungen zur Frage nach der Schuld an diesen Menschheitsverbrechen vor: Karl Jaspers sah die politische Schuld aller Deutschen darin, 1932/33 zugelassen zu haben, „daß ein solches Regime bei uns entstanden ist«. Hannah Arendt konstatierte für die Endzeit des Regimes ab 1940/41 den Zustand einer »totalen Komplizenschaft des deutschen Volkes“ und sprach von einer „‘Volksgemeinschaft‘ des Verbrechens“.

Die westdeutsche Nachkriegsgesellschaft negierte diese Diagnoseangebote und entschied sich für eine Politik der Amnestie und Amnesie: Die 1949 gegründete Bundesrepublik integrierte die Mehrheit der NS-Eliten wie der Beamten in den neuen Staat und ließ die von den Alliierten verurteilten Kriegsverbrecher frei.

Gleichzeitig löschten die Deutschen die Verbrechen der Vergangenheit im kollektiven Gedächtnis, indem sie diesen Teil der Geschichte abspalteten und ihn Anderen zuwiesen: „Mitte der fünfziger Jahre“, so der Historiker Norbert Frei, „hatte sich ein öffentliches Bewußtsein durchgesetzt, das die Verantwortung für die Schandtaten des ›Dritten Reiches‹ allein Hitler und einer kleinen Clique von Hauptkriegsverbrechern zuschrieb, während es den Deutschen in ihrer Gesamtheit den Status von politisch Verführten zubilligte, die der Krieg und seine Folgen schließlich sogar selber zu Opfern gemacht hatten.“

Opposition gegen dieses Geschichtsbild konnte sich nur in Form von Tabubrüchen durchsetzen. Die Reihe wird acht Fälle aus dieser 60jährigen Skandalgeschichte präsentieren.

Konzeption der Reihe: Dr. Hannes Heer, Historiker, Publizist, Ausstellungsmacher

 

In Kooperation mit:

Aktion Sühnezeichen
Deutsch – Russisches Museum Berlin-Karlshorst
Evangelische Akademie Berlin
Gegen Vergessen – Für Demokratie
International Psychoanalytic University
Internationales Literaturfestival Berlin
Lepsiushaus Potsdam
Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam
Neue Gesellschaft für Psychologie
Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“

 

 

 

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